Kapitel 6: Die Schatzsuche

Es wurde Winter in Geltin und dem Rest von Moravod. Athanasios traf dort auf einen alten chryseischen Kaufmann, der einst der Weggefährte seines Ziehvaters Kosmas gewesen war. Gemeinsam mit ihm und zwei neu gewonnenen Freunden begab sich Athanasios auf eine Schatzjagd auf der Basis von zwei alten Schatzkarten. Eine davon hatte der chryseische Kaufmann in Moravod versteckt. Die andere hatte einst Kosmas besessen, doch nun war sie in Besitz des Lebemanns Jaquento Selvando gelangt, den Athanasios schon aus Slamohrad kannte.

Aufstieg und Fall des Albensterns

Winter des 5. Jahres: Tief im moravischen Wald:

Die Abenteurer Athanasios, Bunias, Alonso und Gadipanios, der gleichzeitig der Auftraggeber der anderen beiden war, hatten nach einen haarsträubenden Erlebnis mit einer magieinduzierten Zeitschleife Gadipanios‘ Geheimversteck erreicht und von dort das Original seiner Schatzkarte geborgen. Nun schlugen sich die vier Männer mit ihrem kleinen Wagen und dem vorgespannten Pony durch den winterlichen moravischen Wald. Bunias hatte eine Abkürzung vorgeschlagen und, da er sich hier auszukennen schien, hatte Gadipanios zugestimmt. Die drei wollten nun auf dem schnellsten Wege nach Slamohrad gelangen, wo sie eine Spur des lidralischen Lebemannes Jaquento Selvando zu finden hofften.

Alsbald gelangten die vier in ein verlassenes Dorf. Gadipanios konnte sich an diese abgelegene Ortschaft erinnern, jedoch wusste auch er nicht, was die Bewohner im tiefen Winter samt und sonders vertrieben habe können. Die Männer stapften herum und suchten Hinweise, doch der frisch gefallene Schnee machte ihre Bemühungen beschwerlich und es schien, dass nicht einmal eine kleine Spur aufzutreiben war. Doch dann fanden Bunias und Alonso unabhängig voneinander doch etwas und obendrein machte sich ein weiterer Besucher des Dorfes mit einem lautstarken „Ho-ho-ho!“ bemerkbar. Es war ein kräftiger, breitschultriger, alter Mann mit einem blauen Mantel und einem funkelnden langen Stab, der auf einem Schlitten in das Dorf hinein fuhr. Bunias traute seinen Augen kaum, erkannte er doch in dem vierschrötigen Alten die moravische Sagengestalt Djedmorosz, „Väterchen Frost“, der um die Wintersonnenwende den Kindern süßes Obst und Nüsse bringt. Alonso hingegen blieb ungläubig und die beiden Chryseier betrachteten die Szenerie nur gespannt und belustigt. Bunias hatte in einem Haus einen Domovoj aufgeschreckt und mit einem eigens für ihn gekochten Haferbrei hinter dem Ofen vorgelockt. Die Geschichte des Hausgeistes brauchte ein wenig mehr Licht ins Dunkel: Die Dorfbevölkerung war offenbar vor einem Stern geflohen, der plötzlich am Himmel aufgetaucht war. Außerdem war eine schwangere junge Frau ins Dorf gekommen, das war davor gewesen. Irgendwie hatten die Dorfbewohner die Frau schützen wollen. Darum waren sie alle in die „Stallhöhlen“ aufgebrochen, wohin sich die Dorfgemeinschaft traditionell zurückziehe, wenn Gefahr drohe.

Väterchen Frost klärte die Abenteurer auf. Er suche die Dorfbevölkerung, weil ein – nicht näher bestimmtes – Unheil drohe und er ihr beistehen wolle. Er würde sehr gerne die Hilfe der Abenteurer in Anspruch nehmen. Wie durch ein Wunder fanden sich bald, als die Abenteurer gerade, teils murrend, zugestimmt hatten, doch noch Spuren, und mit dem Schlitten des offenbar zauberkräftigen Alten ging es wie im Rausch durch die Winterlandschaft.

Bald schon kam die illustre Reisegemeinschaft in eine seltsame Gegend. Es schien ein Tal zu sein, dicht von schütterem Tann bewachsen und begrenzt von felsigen Höhen. Eine davon waren die sogenannten Stallhöhlen. Über dem Eingang erstrahlte tatsächlich ein heller Stern, dessen Strahlen den Eingang direkt zu beleuchten schienen. Die Abenteurer und Väterchen Frost betraten zuerst einmal die Höhlen und fanden bald die Dorfbewohner. Sie hatten sich tief in die Höhlen zurückgezogen und die nun bewusstlose Frau war hier in den Höhlen auf etwas Stroh gebettet und von der Schamanin versorgt worden. Alonso trat hinzu und untersuchte die durch die Geburt sehr geschwächte junge Frau. Mit seinen akademischen Medizinkenntnissen konnte er die Schwächung seiner Patientin etwas lindern, aber am Zustand der Bewusstlosigkeit konnte er indes nichts tun.

Währenddessen traten die beiden anderen hinaus und besahen sich den seltsamen Stern. Bunias musste in seinem belesenen Kopf eine Weile kramen, bis er darauf kam, dass dies ein Albenstern, eine Art schwarzalbisches Artefakt, sein könne. Die Abenteurer beschlossen daraufhin, dass der Stern als etwas feindliches zu werten sei. Sie kehrten zurück in die Höhlen.

Später musste sie erkennen, dass eine düstere Finsternis in die Höhlen schlich. Die Dorfbewohner zitterten vor Angst, manche weinten und die Panik drohte überhand zu nehmen, doch gemeinsam mit Väterchen Frost konnten die Abenteurer die Finsternis zurückschlagen, indem der mythische Mann einen kleinen geschmückten Baum erleuchten ließ und die Abenteurer den Kindern kleine improvisierte Geschenke reichten. Später bekroch die in den Höhlen Ausharrenden eine körperlose Kälte, doch mit Gesang und Tanz, zu dem die Abenteurer die Dörfler animierten, konnte auch diese eingedämmt werden.

Als das getan war traten Bunias, Athanasios und Alonso, gefolgt von einem mutigen Jäger aus dem Dorf, aus den Höhlen und griffen den Albenstern an! Athanasios schoß einen Armbrustbolzen auf das Konstrukt. Die Abenteurer machten einen Ort unten im Wald aus, worüber der Stern wohl stehen müsse, und schlichen sich dort hin. Eine Gestalt war dort, die sich unsichtbar zu machen imstande war, als die drei näher kamen. Doch Bunias spürte sie mit magischer Sicht auf und Alonso schlich sich lautlos in die Flanke der Gestalt. Gemeinsam mit Athanasios rangen sie den Alben nieder, der dort kauerte und fesselten ihn. Als seine Konzentration schwand – weil die Abenteurer ihm im Kampf schwere Wunden zugefügt hatten – schwand auch der Stern. Es schien, der böse Alb sei überwunden.

Bei ihrer Rückkehr in die Höhlen erkannten die Abenteurer, dass der Alb in ihrer Abwesenheit eine weitere magische Angriffswelle auf die in den Höhlen verharrenden Dörfler geschickt hatte. Wie durch ein Wunder und bestimmt durch das Wirken Väterchen Frosts war niemand gestorben, aber es stand nicht gut um die armen Dorfbewohner. Wie war es eine Freude, als die Abenteurer ihnen sagen konnten, dass sie den Schuldigen in Gewahrsam hatten! Auch wenn er alles abstritt – bis auf seine Vaterschaft an dem winzigen Baby, dass von der jungen Frau geboren worden war – so war doch allen und vor allem den Abenteurern klar, dass dieser Alb an all dem Unheil schuld gewesen war. Doch sie übergaben den Schwarzalben der Rechtsprechung des Dorfes. Der Dorfvorsteher verbannte den Frevler auf immer aus dem Dorf und die Schamanin flößte ihm dazu einen schweren Schlaftrunk ein. Alonso und Bunias boten sich an, den gefährlichen Alben vom Dorf fortzubringen. Als die beiden zurückkamen, sprachen sie nicht über die Stunden allein im Wald mit dem gefesselten und betäubten Alben. Allein ihnen war klar, dass er wirklich und ganz sicher niemals wieder zurückkehren würde. Darauf hatten sie sich stumm geeinigt und Alonso hatte allein im Schnee dafür gesorgt.

Es wurde ein Fest gefeiert und viele Kerzen angezündet. Ein Baum wurde geschmückt und aus den Vorräten ein wirklich gutes und reichhaltiges Mahl bereitet. Wie durch ein Wunder reichten alle aufgetragenen Speisen für jeden und jeder wurde so satt, dass er sich kaum mehr rühren konnte. Am nächsten Tag wollten Väterchen Frost und die vier Abenteurer wieder aufbrechen. Der Alte bot sich an, als Dank die Recken auf seinem Schlitten bis nach Slamohrad zu bringen. Und mit zauberischer Geschwindigkeit ging es, hui hossa!, voran durch den tiefen verschneiten Winterwald, so schnell, dass man glaubte, der Schlitten berühre den Boden gar nicht mehr. Man glaubte, ihn gar schweben und fliegen zu sehen.

Das Haus des Thaumaturgen

Winter des 5. Jahres: Geltin im Süden Moravods:

Athanasios war seit einiger Zeit in Geltin angekommen, wo er nach Neuigkeiten von der Lastebil, seinem Schiff, Ausschau gehalten und einige Botengänge für seinen Freund Marek Blason aus Slamohrad ausgeführt hatte. Er wurde langsam rastlos und es schien, als würden hier in Geltin keine weiteren Anhaltspunkte auf das Schiff oder Hinweise auf Kapitän Kosmas Wege zu holen sein. Doch eines Abends in Athanasios bevorzugtem Gasthaus traf er auf eine illustre Spielrunde, an einem der Nebentische, die aus einem alten Chryseier, einem auffälligen Küstenstaatler und einem Moraven bestand. Diese führten ein Gespräch über eine Schatzkarte, die eine Seegegend zu zeigen schien. Als er sich zu der Gruppe begab, erkannte ihn der alte Mann plötzlich wieder! Es war Gadipanios der alte Weggefährte seines Ziehvaters Kosmas, der seinen Lebensabend offenbar hier in Geltin bestritt. Er fragte Athanasios sofort nach der Karte, der er wohl auch er auf der Spur war. Und er erklärte, dass es von dieser Sorte Karte genau zwei Stück gab. Einst besaßen beide Männer, Kosmas und der Alte, je eine von diesen Karten. Sie wollten jeder für sich deren Geheimnis auf die Spur kommen, doch Zeit ihres Lebens hatten sie das nicht ergründen können. Nun, als Athanasios erzählte, dass Kosmas die Karte hier in Geltin an einen Pflandleiher verpfändet hatte, schöpfte der Alte Hoffnung, mithilfe der neuen Gefährten vielleicht doch noch den Schatz zu finden, den diese Karten offensichtlich bargen.

Bei ihm waren der moravische Magier Bunias und der lidralische Parfümhersteller und Heiler Alonso Tiziano. Die beiden wollten gegen eine Belohnung gerne an der Suche nach der Karte teilnehmen. Und so zogen die vier Männer am Folgetag mit einem Karren und einem Pony los, um gen Slamohrad zu reisen. Doch zuvor, so eröffnete ihnen der alte Chryseier, mussten sie noch etwas im Osten abholen. Es solle nur wenige Tagesreisen von Geltin entfernt sein. Und so war es auch, denn sie zogen 5 Tage nach Osten, als ein Sturm sie zu einer Übernachtung in einem Gutshaus am Wegrand zwang. Es sollte ein denkwürdiger fünfter Reisetag werden, denn aufgrund einer magischen Anomalie erlebten die Abenteurer diesen Tag selbst an die fünf Male, bis sie das Rätsel lösen und die Zeitschleife sprengen konnten. Der überglückliche Magier und Thaumaturg Grigori Tandrill, dem das Anwesen gehörte, war den Abenteurern sehr dankbar da sie den Tod seiner Frau verhindern halfen.

Zwei Tage später drangen die vier Männer in einem Waldstück in eine Höhle ein und bargen aus einer versteckten Truhe den einen Teil der Karte, den der alte Chryseier dort vor Jahren verborgen hatte. Er zeigte sich sehr dankbar und gab den Gefährten, mit den Worten „Dieser Beutel ist ein Vorgeschmack auf das Ende unserer Reise und sollte mir Eure Treue und Loyalität sichern.“, jeweils einen prall gefüllten Beutel Gold dafür.

Nun hatten die vier Abenteurer das Original der einen Karte bei sich und würden sich als nächstes auf den Weg nach Slamohrad machen, um irgendwie die erkalteten Spuren des Jaquento Selvando wieder aufzunehmen und ihm die zweite Karte mit allen Mitteln abzujagen.

 

 

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