Krieg der Kobolde

Die Abenteurer hatten den Weg durch das Höhlensystem unter den Minen von Saragin hin zu den Gruftkatakomben der Festung gefunden und tasteten sich nun vorsichtig den Gang Richtung Burghof vor. Die ehemals verschlossene Tür stand nun offen und die Abenteurer erhaschten eine Blick auf einen belebten Markt – von Kobolden! Um nicht auf sich aufmerksam zu machen, schlichen sich die Abenteurer vorsichtig näher und fanden eine Tür, die links in einen ihnen bisher unbekannten Gebäudetrakt führte. Sie war unverschlossen und bot die Möglichkeit, den belebten Burghof zu umgehen. Kurzerhand verschwanden die Abenteurer dort und erkundeten die sich anschließende Wendeltreppe bis sie in einen kleinen Raum gelangten, der nichts außer einem leeren Waffenständer und einem verhängten Wandspiegel beinhaltete. Als die Abenteurer den Wandspiegel freilegen wollten, fing eine verzerrte Fratze, die sich in dem Spiegel zeigte, schrill zu schreien an, sodass es den Abenteurern in den Ohren klingelte. Ungeachtet der Gefahr des Entdecktwerdens versuchten die Gefährten, dem Spiegel beizukommen. Sie schrien zurück, sie versuchten, ihn zu beschwichtigen… nichts half. Da verhängten sie ihn wieder. Einige Koboldwachen waren jedoch offenbar aufmerksam geworden und klopften von außen an die Tür des kleinen Turmraumes. Nikolai versuchte mit verstellter Stimme, einen Kobold nachzuahmen, was ihm auch gelang, nachdem ihm Bjarne ordentlich ins Gemächt getreten hatte. So konnten sie die etwas einfältigen Wachkobolde beruhigen. Um dennoch durch die Wand zu kommen, schlug Alver mit seinem magischen Hammer Steine aus der Wand, während Nikolai die Wachleute draußen weiter zu beschwichtigen versuchte. Zum Glück war durch die Magie des Hammers schon nach wenigen Schlägen ein Loch entstanden, durch das sich alle hindurchzwängen konnten. Einzig Alvers Rundschild blieb stecken und ging dabei kaputt. Er ließ ihn als Hindernis stecken.

Nun waren die Abenteurer tatsächlich in die Kernburg gelangt! Sie kämpften sich umsichtig und entschlossen vor und vernichteten alle Kobolde, die sich ihnen entgegen stellten oder auch zu fliehen versuchten. Eine Schneise des Todes schlugen sich die Gefährten durch hauptsächlich erschrockene, unvorbereitete Kobolde, die sich offenbar dem Totem Fledermaus nahe fühlten. Im ehemaligen Eingangsbereich des Gästetrakts, durch den die Abenteurer sich hier bewegten, kam es zum Kampf zwischen den meisten Mitgliedern des Koboldstammes und den Abenteurern. Obwohl es viele waren, hatten die Kobolde gegen die gut gerüsteten und erfahrenen Abenteurer keine Chance. Die Abenteurer töteten alle. Männer, Frauen, Kinder. Denen, die geflohen waren, wurde unbarmherzig nachgestellt und die Abenteurer fanden sie schließlich im verfallenen Nordwestturm. Die letzten Schamanen beschworen Vampirfledermäuse und die letzten Krieger deckten die Abenteurer mit Pfeilen ein. Es half ihnen nichts. Die Abenteurer erschlugen sie alle.

An ein mitgenommenes Möbelstück gebunden fanden sie in dem Turm einen kleinen Menschenjungen, der völlig verwahrlost war und die menschliche Sprache nicht verstand. Er konnte nur die Dunkle Sprache der Kobolde verstehen und sprechen. So übersetzte Nikolai und der Junge erzählte, dass er vom Fledermaus-Stamm seiner Mutter geraubt und hierher verschleppt worden war, um dem Fledermaus-Totem geopfert zu werden. Das pfiffige Kind, dass wohl kaum sechs Sommer zählte, erzählte den Abenteurern auch, dass der Fledermaus-Stamm in Kontakt mit „der großen Feuer-Mächtigen“ stand. Es war klar, dass dies wohl der Drache sein musste. Das Kind selbst zählte sich zum Wühlmaus-Stamm, einem anderen Kobold-Stamm, der mit den Fledermaus-Kobolden im Krieg stand.

Die Abenteurer berieten sich und beschlossen, sich zuerst einmal den Drachen anzusehen. Vorsichtig schlichen sie in die Richtung, in der sie den Thronsaal vermuteten. Und tatsächlich fanden sie dort, auf einem großen Berg Münzen und Geschmeide liegend, einen mächtigen golden-grünen Drachen liegen und schlafen. Der Drache war größer als sie gedacht hatten und offenbar bildete er sich, denn neben seinem Kopf stand ein Stehpult mitsamt einem Stapel Bücher daneben.

Ratlos, was man nun tun könne, beschlossen die Abenteurer, erst einmal den kleinen Jungen zurück zu seiner Mutter zu bringen. Er sagte, sie habe großen Einfluss im Wühlmaus-Stamm. Den Abenteurern dämmerte zwar, dass diese Mutter wohl wahrscheinlich auch ein Kobold war, aber sie wollten trotzdem schauen, ob sie mit den Kobolden möglicherweise eine Allianz schließen oder sie sich untertan machen konnten. Sie bewegten sich also vorsichtig hinter dem Kind her, vermieden offenes Terrain und das Gesehen-Werden durch andere Kobolde. Der Junge erzählte, dass der Marder-Stamm sein Hauptquartier in den Ruinen des ehemaligen Gesindetrakts habe und dass diese Kobolde sehr gut bewaffnet wären und aus dem Hinterhalt zuschlügen. Die Gefährten wollten lieber nichts riskieren und wählten den Weg durch den ehemaligen Gästetrakt, den sie ja schon auf dem Hinweg „aufgeräumt“ hatten. Bis hin zur Außenburg schlugen sich die Abenteurer mit dem Kind durch, ohne gesehen zu werden. Dann hatten sie Pech. Als sie über den Burghof schlichen, schossen ein paar Kobolde von den Türmen Pfeile auf sie ab. Einer davon traf leider Bjarnfinnur, dessen Berserkerkrankheit aus ihm herausbrach. Er rannte direkt in die Menge der Kobolde auf dem Burghof, die dort mit größtenteils wertlosem Tand Handel trieben. Umsichtig und gedankenschnell zog Nikolai durch ein paar Schmährufe die Wut des rotschopfigen Waelingers auf sich und rannte auf das Hauptquartier des Wühlmaus-Stammes zu, was seine Beine hergaben. Das dürfte Bjarnfinnur wohl das Leben gerettet haben, denn gegen so viele Kobolde, wie auf dem Burghof und auf den Türmen waren, hätte wohl auch er nicht bestehen können. Bjarnfinnur rannte also wutentbrannt hinter Nikolai her, eine Stiege hinauf und in ein Haus hinein – ehemals wohl das des Marschalls, des Kommandeurs der Reiterei.

Mitten zwischen den aufgeschreckten Kobolden des Wühlmaus-Stammes warf sich Bjarnfinnur also auf Nikolai und die beiden begannen wild miteinander zu raufen. Zum Glück schaffte es Nikolai mit einem schnellen und brutalen Griff, Bjarnfinnur an den Boden zu nageln und so zu blockieren, bis er sich beruhigt hatte. Alyssa und Alver sprachen bei der Matriarchin des Stammes vor, die sich glücklicherweise auch als die „Mutter“ des Findelkinds herausstellte und sehr glücklich darüber war, dass die Abenteurer „ihr Kind“ aus den Fängen des verhassten Rivalenstammes befreit hatten. Nikolai und Bjarnfinnur versuchten beide unabhängig voneinander, sich in das Gespräch miteinzubringen und es – jeder in eine andere Richtung – zu lenken. Ein ziemliches Durcheinander entstand und die Kobolde wurden sich untereinander uneins. Da tauchten aus dem Untergeschoss die drei Stammesschamanen auf und prophezeiten großes Unheil, das die Abenteurer über den Stamm brächten. Sie würden dafür verantwortlich sein, dass der Stamm große Verluste erleiden und die Überlebenden von hier vertrieben würden. Die Abenteurer müssten sofort gehen! Daraufhin eskalierte die ganze Situation, als Bjarnfinnur und Nikolai die Schamanen angriffen und die Kobolde ihnen hunderte von Piken und Stoßspeeren entgegenstreckten. Die Abenteurer flohen und rannten zu einem nahegelegenen Turm, wo sie sich verbarrikadierten. Glücklicherweise fanden sie dort – nachdem sie eine Kobold-Wachmannschaft beseitigt hatten – eine Passage zum Torhaus. Dort versteckten sie sich.

Gegen morgen wurden die Abenteurer von mehreren Erdstößen aufgeschreckt. Sie lugten vorsichtig aus einem Fenster und sahen zu ihrem Grauen, dass sich der Drache aus seinem Thronsaal aufgeschwungen hatte, mit ein paar Flügelschlägen die Kernburg überquerte und sich donnernd auf einem der Türme niedergelassen hatte. Er holte tief aus seinem langen geschuppten Hals seinen Feueratem hervor und richtete ihn auf das Hauptquartier des Wühlmaus-Stammes! Das Haus brannte lichterloh. Ein zweiter Feuerstoß ließ es in sich zusammenbrechen. Die Abenteurer versteckten sich erschreckt und warteten ab. Der Drache zog sich zum Glück wieder zurück.

Schließlich waren die Gefährten zu dem Schluss gekommen, dass das einzige, was sie jetzt tun konnten, war, das Burgtor zu öffnen und das fragile Gleichgewicht zwischen den Trollen außerhalb der Burg und den Kobolden innerhalb mit ihrem mächtigen Beschützer zu stören. So würde sich der Drache möglicherweise zeigen müssen, um die Trolle zu vertreiben. Oder aber zumindest die Kobolde würden von den Trollen angegriffen und dezimiert. Also kümmerten sich die Abenteurer darum, dass die mächtigen Tore der Burg sich öffneten und – mit etwas Feuer – dass die Trolle es außen auch bemerken würden. Dann seilten sich die Abenteurer von ihrem Versteck im Torhaus nach draußen ab und schlugen sich zum Eingang der Minen durch, wo sie Deckung suchten.

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