Monats-Archiv:Juni, 2016

Die Karte des Nordens

Die Abenteurer hatten eine Reihe von Orten in der Wolfsebene und der Belogora schon bereist. Hätte man diese auf einer Karte eingezeichnet, hätte sich ein interessantes Bild ergeben. Wo es die Abenteurer nun wohl hintreiben würde?

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Blutige Brega

Spätsommer des 5. Jahres: Nordrand Moravods/Wolfsebene:

Die Abenteurer waren von den Männern Ingvars auf der Nordseite der Brega aufgesammelt und ins Lager gebracht worden. Dort bewirtete man sie erst einmal gut, denn die Gefährten waren durch die Tage im Drachenhort mit halben Rationen und den anstrengenden Abstieg aus den Bergen geschwächt, stellte jedoch auch Fragen nach ihrer Herkunft und ihren Zielen.

Im Lager befanden sich die Mannschaften von gut zwölf Kriegsdrakars aus der Flotte Thormunds des Roten, der damit die Küste im Westen mit Krieg überzogen hatte. Sein Sohn Ingvar, Befehlshaber der Flotte, befand sich in Saragin auf ein göttliches Zeichen hin, dass ihm im Traum geschickt worden war. Wölund, der Gott der Wanderschaft, der Handwerker, Schmiede und Baumeister, der die Brücke von Midgard nach dem göttlichen Tyggrgard bewacht, hatte Ingvar hierher gerufen, um Saragin von der Herrschaft der Ungeheuer zu befreien. Ingvar wollte tun, was der Gott wünschte und dabei gleichzeitig Saragin zu einem waelischen Außenposten der Freden machen. So würde er sich das Wohlwollen der Götter, seines Vaters und gewiss auch des Jarlkunr und Högjarls der Freden auf einmal erwerben. Die Männer Ingvars waren harte Kerle, von vielen erfolgreichen Vidhingfahrten geprüft und gestärkt und in der Welt gefürchtet. Sie waren ihrem Anführer ergeben und außerdem der Meinung, dass sie für all das Glück auf ihren Fahrten und die Reichtümer, die sie hatten anhäufen können, nun den Göttern eine Gegenleistung bringen müssten. Es wurde deutlich, dass diese Männer ihr Unterfangen wohl nicht einfach aufgeben würden.

Ingvar selbst bat Bjarnfinnur gefolgt von Nikolai und Alyssa zu einer persönlichen Unterredung, als diese vor den Männern anfingen,über die Katastrophe in der nahen Zukunft zu reden, die von der Drachin geweissagt worden war. Alyssa stellte sich dem Fredenanführer als die Frau vor, die schon einmal einen (männlichen) Waelinger im Zweikampf besiegt habe und der nun als ihr Gefährte und Kapitän ihres Schiffes die Meere durchkreuzt. Bjarnfinnur vermied es, einen Verdacht der Seidwirkerei auf sich kommen zu lassen und berief sich auf die Axt an seinem Gürtel und seine Abstammung von einem bekannten godrischen Pferdezüchter. Über Nikolais Herkunft ließen die drei nichts verlautbaren. Ingvar hörte sich an, was die Abenteurer ihm zu sagen hatten und erzählte ihnen im Gegenzug, dass er erst vor einer Tagesspanne einen belogorischen Unterhändler geköpft habe, der ihn mit seinem unverschämten Anliegen geärgert hatte, die Waelinger mögen sich der Streitmacht der Blutfürstin Mirka Belogorska anschließen. Die Abenteurer befürchteten nun das Schlimmste und brachten ihre Sorgen vor einem Drachenangriff auf das Lager der Waelinger zum Ausdruck. Ingvar ordnete daher an, die Drakars ein Stück weiter weg vom Lager flußabwärts zu vertäuen. Da Ingvar sie bat, boten Nikolai und Alyssa schließlich an, als Gesandte zum Lager der Belogoroj zu reiten und zu verhandeln zu suchen. Sie wurden mit Pferden ausgerüstet und ritten los.

Tatsächlich wurden die Abenteurer schon bald in der Nacht von Schreien und Flüchen aus ihren Zelten getrieben und sahen mit an, wie ein Teil der Flotte in Rauch aufging. Es war ein Vergeltungsschlag der belogorischen Freischärler für den Mord an ihrem Unterhändler. Die Waelinger stürzten zu den Booten um zu löschen, was zu löschen war. Als sie die Hoffnungslosigkeit der Lage und das Nahen des prophezeihten Unterganges des Lagers durch den Drachen erkannten, stahlen sich die übrigen Gefährten aus dem Lager und setzten mit einem Boot zum Nordufer der Brega über.

Nikolai und Alyssa, gefolgt von Aiolos, gelangten zum Lager der Belogoroj und verlangten, den Befehlshaber zu sprechen. Man verwies sie aber nachdrücklich zu den Schreibern. Nach einigem hin und her mit den stocksteifen Schreibern erzählte Nikolai den Männern und Frauen im Lager lautstark von der drohenden Gefahr durch die Drachin, der wahren Herrscherin über Saragin. Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer im Lager der Freischärler und viele begannen schon, ihre Sachen zu packen. Von einer erhöhten Position aus beobachteten drei bleiche Gestalten in nachtschwarzen Rüstungen das Geschehen und die beiden Reiter, die solche Unruhe ins Lager gebracht hatten. Sie griffen nicht an, und doch stachen ihre Blicke noch in die Rücken von Nikolai und seiner Begleiter, als diese sich mit ihren Pferden einen Weg durch die fliehenden Söldner aus dem Lager bahnten und in der Nacht verschwanden.

Sie hielten in weitem Bogen um das waelische Lager und durch den nahen Wald auf das Bregaufer zu und ritten weiter gen Westen.

In den Morgenstunden konnte von Ferne die Drachin beobachtet werden, wie sie die Triboke des waelischen Lagers mit ihrem Feuerhauch bedeckte. Dank zwergischer Finesse und der Warnung der Abenteurer schossen diese noch den ein oder anderen Brandsatz in die frühmorgendliche Stadt der Trolle, bevor sie unter ihrem Gewicht und dem Feuer zerbarsten und zusammenbrachen.

Das Zerbrochene Schwert

Spätsommer des 5. Jahres: Nordrand Moravods/Belogora-Gebirgszug:

Die Abenteurer hatten sich kaum von den anstrengenden Kämpfen gegen die untoten Zwerge und die Riesenspinne erholt, da wurden sie einer weiteren Bedrohung gewahr: Ghule hatten sich durch den Schutt in der Halle hinter ihnen gegraben und bedrängten die Abenteurer nun. Sie wagten sich jedoch nicht in den Lichtschein, den Andrejs Laterne immer noch in den Schmiederaum warf. So waren die Abenteurer vorerst sicher, aber die Ghule begannen, aus der Dunkelheit mit Steinen zu werfen. So blieb den Abenteurern nichts weiter übrig, als den Monstern ins Dunkel zu folgen und sie zu erschlagen.

Als das getan war und alle zumindest ein wenig zu Atem gekommen waren, kletterte Bjarnfinnur durch den alten Versorgungsschacht, der am Rauchfang der Schmiede entlang bis zu einer alten Klappe führte, bis direkt in die Drachenhöhle. Aus seiner Deckung heraus beobachtete er die ungeheure Drachin, die dort oben auf ihrem Schatz lag und las und ihre Zauberkräfte übte. Er beschloss, sich magisch so weit es möglich war, mit Siegeln und Runenstäben gegen den Drachenodem und die drachische Zauberkraft zu wappnen und dann hinauszuklettern, um sich zu Verhandlungen mit Smauglynn, der Drachin, zu stellen.

Tatsächlich schaffte er es, ein schleppendes Gespräch mit dem magischen Ungeheuer in Gang zu bringen. Und das, obwohl die Drachendame männlichen Exemplaren der Gattung Mensch ganz und gar nicht wohlgesonnen war. Schließlich, als die Verhandlungen drohten, in eine Sackgasse zu geraten, bat Bjarnfinnur stirnrunzelnd Alyssa zu sich hinauf in die Drachenhöhle. Alyssas Redegewandtheit und Verführungskunst wurde wieder und wieder auf eine schwere Probe gestellt, vielleicht die schwersten seit je, doch schließlich gelang es den Abenteurern, mit der Drachin einen Handel abzuschließen.

Sie würde den Abenteurern die Silberne Rüstung des Borulin Torkinsglanz aushändigen, allerdings nur für eine ungewöhnliche und schwierige Gegenleistung, die für sie einen besonderen Wert hatte. Sie besaß ein zerbrochenes goldenes Schwert, das Goldene Schwert des Ruhms, zu dem sie den Abenteurern nicht mehr verriet, als dass ein moravischer Ritter dieses einst gegen sie geführt habe und es im Kampf zerbrochen war. Es solle das Charisma, die Klugheit und die Schönheit des Trägers in unglaublicher Weise steigern. Zudem solle es auf magische Weise verstärkt und geschärft sein. Bjarnfinnur besaß ja aus dem Weißen Buch Vom Kalwenkor eine Spruchrolle des seltenen Zaubers Schmiedeband, der eine beliebige geschmiedete Waffe wieder ganz schmieden konnte, selbst wenn es eine magische sei. Daher machte er sich gleich daran, den Zauber zu meistern, um ihn schließlich nach vier Tagen auf das Goldene Schwert anzuwenden. Alyssa musste sich in dieser Zeit Tag um Tag darum kümmern, dass Smauglynns Laune nicht sank. Sie knüpfte Tag für Tag und Geschichte für Geschichte ein Band von Gewogenheit um die Drachin, die Alyssas Zungen ein ums andere Mal erlag.

Als schließlich der Tag der Übergabe gekommen war, zeigte sich die Drachin trotz alledem misstrauisch und stellte das Band des Vertrauens zwischen den Abenteurern auf eine harte Probe. Sie folg mit Alyssa auf ihrem Rücken in weitem Bogen um Saragin und die Berge, während sie vorgeblich die anderen Abenteurer mit ihrem Schatz zurückließ. Doch Alyssa wusste, würde nur ein Teil fehlen, so hätte ihr letztes Stündlein geschlagen. Glücklicherweise argwöhnten die Gefährten schon eine Falle, weswegen sie den Schatz nicht anrührten und dadurch Smauglynns Prüfung ihrer Redlichkeit bestanden.

Sie ließ die Abenteurer also mit der Rüstung ziehen. Ausgehungert wie sie waren – sie hatten die letzten vier Tage auf halben Rationen verbracht, um Bjarnfinnur genug Zeit zu geben, seinen Schmiedezauber zu weben – und müde und erschöpft kletterten sie von Smauglynns Berg herunter in ein schattiges Tal, wo Andrej und Nikolai Kaninchenspuren fanden. Nach einem kargen Mahl am folgenden Morgen wanderten die Abenteurer aus dem Bergtal heraus und einen Pfad entlang durch die Vorberge bei Saragin, bis sie an die Ufer der Brega kamen. Auf dem jenseits des Flusses gelegenen Südufer erblickten sie das Lager der Waelinger, das sie schon von oben einmal gesehen hatten. Sie beschlossen, dorthin zu gehen und um die Gastfreundschaft der Nordmänner zu bitten. Es ging ihnen aber darum, die Waelinger zu warnen, denn sie wussten von Smauglynns astrologischen Berechnungen und Plänen, dass ein Konflikt zwischen den Waelingern und den belogorischen Freischärlern den beiden Fraktionen den Untergang bringen könne. Sie konnten auf sich aufmerksam machen und ein Boot der Waelinger ruderte über den Fluss, um sie aufzunehmen. So gelangten sie ins Lager Ingvars, Sohn Thormunds des Roten, den man Blutaxt nannte.

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