Monats-Archiv:Mai, 2016

Durch die Wolfsebene und unter die Minen

Die Abenteurer kamen mit ihren Maultieren gut voran, obgleich Nikolai maulte, er hätte doch sein Reitpferd mitnehmen sollen. Das Wetter war zwar neblig trüb, aber trocken, und es wehte nur ein schwacher Wind aus Nordost. Durch die Nächte begleitete allgegenwärtiges Wolfsgeheul die Abenteurer. Um kein Risiko einzugehen, hielten sie immer zu zweit Wache. Trotzdem fühlten sie, dass die Wölfe sie nachts ausspionierten, den Rand ihres Lagerfeuerlichtscheins abliefen und auf eine Chance warteten.

Am zweiten Tag in der Wolfsebene, dem dritten Tag der Reise, fanden die Abenteurer eine größere Senke, die von dichtem Nebel angefüllt war und hörten das Krächzen vieler Raben dumpf aus dem Nebel dringen. Der Ort strahlte eine unheimliche Atmosphäre aus und die Abenteurer – das Ziel fest vor Augen – umgingen die Senke lieber, statt sich hineinzuwagen. In der darauffolgenden Nacht wurden sie von Wölfen angegriffen. Sie waren groß und von tiefschwarzer Fellfärbung und hatten blutrote, gierige Augen. Dunkelwölfe! Nachdem die Abenteurer einige hatten verletzen können, zerstreute sich die Meute und zog sich wieder in die Dunkelheit der Nacht zurück.

Im Laufe des dritten Tages fing es an zu regnen. Der Wind hatte auch aufgefrischt und zog und zerrte an Mensch und Tier. Am Nachmittag erblickten die Abenteurer einen alten Turm, mehr eine Ruine, aber offenbar bewohnt oder zumindest bewohnbar. Sie begannen, ihn zu erkunden und fanden, dass er offenbar vor kurzem noch von barbarisch hausenden menschlichen Wesen bewohnt gewesen war. Die Bewohner waren aber wohl offenbar fort, sodass die Abenteurer die Türen verrammelten und eine ruhige Nacht verbringen konnten. Als sie am nächsten Morgen in aller Frühe aufbrachen, konnten sich einige des Gefühls nicht erwehren, beobachtet zu werden. Außerhalb der morschen Holzpalisade, die den Turm umgab, fanden sie haufenweise Stiefelspuren. Ob die schon am vorherigen Tag dagewesen waren, konnte niemand sagen; zumindest hatte sie gestern keiner entdeckt.

Schon in Sichtweite der tosenden Wasserfälle von Saragin beobachteten die Abenteurer von Ferne einen Kampf zwischen moravischen Söldnern und goldgewandeten Reitern. Die Reiter machten die Söldner mühelos nieder, schlugen beinahe mühelos schwere Wunden und töteten jeden einzelnen von ihnen. Die Abenteurer hielten sich versteckt und griffen nicht ein.

Schließlich gelangten die Abenteurer an das Südtor von Saragin, sahen allerdings schon von Weitem, dass es hier von Trollen nur so wimmelte. So zogen sie sich in die Berge zurück und suchten nach dem geheimen Eingang in das alte Höhlensystem unter den Minen Saragins, das sie schon einmal erkundet hatten.

In den Bergen trafen sie auf einen weiteren Haufen Söldner und Taugenichtse, die hier ihr Lager aufgeschlagen hatten und nach eigenen Angaben das Heerlager der Blutfürstin suchten. Unter den elf Männern war auch ein seltsamer Kauz, offenbar ein Zauberer, namens Vareszmir Tulor. Von Nikolai und Bjarnfinnur in die Zange genommen verriet der ihnen, dass er ein Rezept für ein magisches Trollöl besäße, welches als Waffenöl besonderen Schaden bei Trollen verursachen solle. Allerdings brauchte er für die Herstellung fermentierte Trollknochen. Darum waren die Söldner hier in die Berge gezogen und hofften, einen einzelnen Troll finden und erschlagen zu können. Die Abenteurer lehnten ab, ihnen dabei zu helfen.

Am Abend fanden die Abenteurer auf einer Almwiese schließlich die gesuchte Höhle mit dem Eingang. Sie pflockten die Maultiere an und begaben sich auf den Abstieg in die düsteren Tiefen.

Aufbruch nach Saragin

Gut ein halbes Jahr war vergangen, seit Alyssa, Athanasios, Bjarne, Ciara und Nikolai aus dem Berg von Slamohrad wieder ans Tageslicht getreten waren. Sie hatten das Frühjahr und den Sommer genutzt, um sich von den Strapazen „zwischen altem und neuem Jahr“ und „unter dem Berg“ zu erholen, neue Kraft zu schöpfen und ihre Fertigkeiten zu vervollständigen. Aiolos hatte Alyssa im Stillen von seinem Kampf gegen die Werkrankheit erzählt und wie er mithilfe des Zaubers einer Vilje und einem toxischen Trank geheilt worden war.

Nun waren die Abenteurer bereit und willens, Bjarne und Alver zu helfen, ihren Schwur einzulösen, die silberne Rüstung, die in Saragin während des Pogroms verloren gegangen war, zu suchen und ihrem rechtmäßigen Erben zukommen zu lassen.

Nikolai hatte in der Bibliothek des Lichthauses der Dreiunddreißig Informationen über Werwölfe, Vampire und Dunkelelfen, sowie über die politischen Gegebenheiten in der Belogora gesammelt. In Slamohrad stand ihnen auch Marek Blason mit Informationen zu Saragin zur Seite, obgleich er versuchte, die Gefährten davon abzubringen, dorthin zu reisen. Es schien, dass nach dem Brand Monster in die Stadt eingefallen wären. Von Trollen war die Rede. Doch auch die Blutfürstin Mirka Belogorska, die Herrin des Fürstentums Belogora und Herrscherin über die Hauptstadt Ugolgorod im Osten sollte gerüchtehalber Anstrengungen unternommen haben, Saragin wiederzuerobern. Sie hatte mit Versprechungen und Belohnungen eine Söldnerarmee aus Taugenichtsen und Schlagetots bei Saragin gesammelt, deren Ziel es tatsächlich war, die Stadt zurückzuerobern. Im Magistrat war wie so oft kaum etwas herauszufinden. Jedoch lobte die Siegelbewahrerin Olega Pestschuk 50 Goldstücke Belohnung für verlässliche Informationen über die derzeitige Situation in der Belogora aus.

Die Waelingergemeinschaft von Slamohrad rüstete die Abenteurer mit robusten Lasteseln aus, als Dank an Alver für Segen und Schutz, den er der Gemeinschaft gegeben hatte, seit die Spaekona Hrokkinskinna mit dem Schwert des Vargstökur die Stadt verlassen hatte.

An einem freundlichen Spätsommertag brachen die Abenteurer auf, auf nach Saragin.

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